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Mit drei Pferdewagen nach Pinneberg – Die Geschichte der ILO Motorenwerk GmbH

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Die Wiege des Betriebs stand in Altona. Dort hatte Firmengründer Heinrich Christiansen im Alter von 35 Jahren 1911 eine in Konkurs geratene Maschinenfabrik erworben. Unter dem Firmennamen „Norddeutsche Maschinenfabrik GmbH.“ beschäftigte man zunächst ca. 20 Mitarbeiter. Gefertigt wurden insbesondere Geräte für den Gleis- und Brückenbau der Deutschen Reichsbahn. Das kaiserliche Deutschland erkämpfte seinen Platz unter den großen Weltmächten auch durch eine enorme militärische Aufrüstung. Sie steigerte die Nachfrage nach Rüstungsgütern in der deutschen Wirtschaft stark. Die grausamen Materialschlachten des 1. Weltkriegs und die Blockade der deutschen Importe führten zu Lieferengpässen und einer staatlichen Lenkung der Rüstungsproduktion, in die auch kleine und mittlere Unternehmen eingebunden wurden. So bestand ein wesentlicher Teil des Fertigungsvolumens der Norddeutschen Maschinenfabrik aus Rüstungsgütern wie Minenwerfer-, Geschütz- und Geschossteile sowie Mundlochbüchsen. Für das Jahr 1915 verzeichnete der Geschäftsbericht eine fast ausschließliche Abarbeitung von Aufträgen der Heeresverwaltung.

Schon zwei Jahre nach Firmengründung waren die Betriebsräume in Altona zu klein geworden. Heinrich Christiansen erwarb ein Grundstück am Bahnhof Pinneberg. Nicht nur die verkehrstechnisch günstige Lage am Schienennetz der Reichsbahn, sondern auch die Chance zu zukünftiger räumlicher Expansion waren wichtige Gründe für diese Entscheidung. Für die Fertigung wurde eine kleine Halle errichtet. Die Verwaltung fand Unterkunft in einem Vorbau. Die bebaute Fläche betrug 412 qm. Der damals noch bescheidene Fertigungsumfang dokumentierte sich auch im Umzugsvolumen. Als man 1913 die neuen Räume in Pinneberg bezog, reichten für den Transport der Maschinen drei Pferdewagen, wie sich später ein Meister erinnerte. Auch während des 1. Weltkriegs wurde die für die Reichsbahn entwickelte Gleisstopfmaschine weiter verbessert, ein Gerät, das beim Eisenbahnbau zur Verdichtung des Schotters zwischen den Schwellen genutzt wurde. 1918 konstruierte man einen Zweitaktmotor, der das Gerät kostengünstiger und unabhängig von einer zentralen Kraftquelle machte. Dies war die Geburtsstunde des ILO Motors.

Vorführung ILO Gleisbaumaschinen
Heinrich Christiansen (4. v.l.) beobachtet die Vorführung seiner Gleisbaumaschinen